Einspritzpumpe ACV fördert nicht

  • Heute sollte mein T4 ACV eine neue Einspritzpumpe erhalten. Bei der alten Pumpe ist jetzt nach ca. 350000 km die Hochdruckseite undicht und wer weiß was noch so.
    Die Ersatzpumpe kam am Freitag und heute am frühen Morgen ging es los.
    Saugleitung am Filter abgeklemmt, so dass die Leitung nicht leer laufen kann. Die neue Pumpe an den Anschlüssen, so weit möglich mit eine großen Spritze mit Diesel befüllt, eingebaut statisch eingestellt und sie fördert nicht, so eine Sche..e. Fehler gesucht, nicht gefunden.
    Um einen Fehler meinerseits auszuschließen habe ich die alte Pumpe, mal schnell, wieder eingebaut. Zum Glück hatte ich die Pumpenwelle blockiert und konnte mir die statische Einstellung ersparen.
    Sie förderte sofort. Nun die neue Pumpe wieder rein, doch mit dem gleichen Ergebnis.
    Da der Dicke aber laufen muss habe ich die alte Pumpe erneut eingebaut, sauber eingestellt, damit ich zu meinem Lehrgang komme.
    Den Dieselservice, der die Pumpe geschickt hat habe ich angeschrieben. Seine Antwort war, dass die Pumpe nicht so ohne weiteres befüllt werden kann. Das beste wäre von der Rücklaufseite Diesel durch die Pumpe zu ziehen.
    Wie soll das denn funktionieren?


    Für Tipps und Anregungen bin ich Euch dankbar.

  • Hallo Bill!


    Die Pumpen sind selbstansaugend. Sie vorher zu befüllen ist nur eine Maßnahme, um den Vorgang abzukürzen. Das lange Orgeln belastet nämlich den Motor, weil noch kein Öldruck aufgebaut wird, den Anlasser, der nur für Kurzzeitbetrieb konzipiert ist, den Akku und die Nerven des Fahrers.
    Ich habe es in den Foren schon öfter erlebt, dass Einspritzpumpen, die vor dem Verkauf noch funktionierten, nachher nicht mehr fördern. Das führt auch häufig zu Konflikten zwischen Verkäufer und Käufer, weil jeder den anderen verdächtigt, etwas kaputt gemacht zu haben oder Schrott verkauft zu haben. Das ist jedoch meist nicht der Fall.
    Meistens handelt es sich dabei um einen sogenannten "Standschaden". Das bedeutet, die Pumpe hat nach dem Ausbau eine Zeitlang im Regal gelegen und in dieser Zeit hat sich der gesetzlich vorgeschriebene Pflanzenölanteil in den Kraftstoffresten in der Pumpe zersetzt, ist verharzt und hat Wasser freigesetzt. Durch den verharzten Anteil und den durch das Wasser entstandenen Rost sind die feinmechanischen Teile in der Pumpe, die aus rostfähigem Stahl bestehen, festgerostet und verklebt.
    Das geht los mit den Stahllamellen in der Flügelzellenpumpe, die für das Ansaugen des Diesels zuständig ist und geht weiter mit den Teilen des Regelgestänges und des Fliehkraftreglers (in alten Pumpen, bei den TDIs ist dieser Teil schon elektrisch, kann aber dennoch blockiert sein). Dazu reichen wenige Wochen Stillstand, auch im eingebauten Zustand. Allerdings begünstigt der Zutritt von Luft solche Vorgänge.
    Was tun?
    Bevor man eine Pumpe einlagert, diese mit "Premium"-Kraftstoff, der biofrei ist und nicht verharzt, durchspülen und dann alle Anschlüsse luftdicht verschließen.
    Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, kann man versuchen, die Pumpe mit einem Dieselverbesserer zu befüllen und im Schraubstock auf der Werkbank mit einer Bohrmaschine im Linkslauf schnell durchzudrehen, bis die Förderung einsetzt. Hilft manchmal, manchmal tut sich aber auch einfach garnichts.
    in hoffnungslosen Fällen kommt man nicht umhin, mit der Pumpe das zu tun, was man auch mit seiner alten, undichten tun müsste, nämlich zerlegen, überholen und abdichten. Ist leider so...


    Was der Dieselservice meinte, ist, in den Rücklauf eine saugende Pumpe einzubauen, die dann Kraftstoff durch das ganze System saugt. Solche Pumpen gibt es als handbetätigte Ballpumpen zum EInschleifen in die Kraftstoffleitung. In den Rücklauf deswegen, damit der Durchflusswiderstand der in der Ballpumpe vorhandenen Rückschlagventile nicht von der Flügelzellenpumpe im Saugtrakt überwunden werden muss. Prinzipiell kann man eine solche Ballpumpe aber auch in den Vorlauf bauen. Leider löst sie in der Regel nicht das Problem, dass die Flügelzellenpumpe nicht fördert: Wenn man gepumpt hat, springt der Motor an, wenn man aber aufhört zu pumpen, kommt er ins Stottern und geht oft einfach wieder aus oder läuft bescheiden, weil kein Kraftstoff nachgefördert wird. Manchmal gelingt es allerdings dann, durch Erhöhen der Drehzahl die Flügelzellenpumpe wieder frei zu bekommen, weil die Lamellen durch die Fliehkraft nach außen gedrückt werden und dann abdichten. Klappt, wie gesagt, manchmal, aber keinesfalls immer.


    Gruß,
    Tiemo