Fahrwerksprobleme nach Traggelenketausch

  • Servus Gemeinde,


    Um für weitere zwei Jahre den Segen der technischen Überwachungsgötter zu erhalten, mußte an meinem Bus der Bremssattel hinten rechts und das untere Traggelenk vorne rechts erneuert werden.
    Nach Erledigung der Arbeiten und mit frischem Papperl habe ich den Wagen abends aus der Werkstatt abgeholt und folgendes auf den ersten Kilometern festgestellt:
    - Wagen zieht leicht nach rechts
    - leichtes Hoppeln wie wenn eine Unwucht an den Reifen vorhanden wäre, verschwand nach kurzer Zeit
    In den Folgetagen kam dieses Hoppeln immer häufiger wieder (aber nicht permanent bzw. mehr oder weniger stark ausgeprägt)
    Zusätzlich ist mir aufgefallen, daß die Lenkung "stottert". Beim Loslassen des Lenkrades dreht dieses nicht gleichmäßig kontinuierlich in die Ausgangsstellung zurück, sondern ruckelt sehr deutlich in geschätzt 2-3°-Schritten zurück.


    Gestern wurde Spur nachgeprüft und eingestellt. Ergebnis: Laut Prüfstand jetzt alles besser, im Fahrbetrieb aber keine spürbare Besserung.


    Nächste Woche wird der Wagen noch mal zur Problembehebung abgegeben und ich würde gerne aus eurem Erfahrungsschatz der Werkstatt Tipps mitgeben, wo den konkret die Fehlerursache zu suchen ist. In der alten Threats habe ich nichts gefunden, besonders die Kopplung mit der Lenkung macht mich stutzig...


    Daher meine Fragen: Wo kann man die Ursache des Problems suchen und finden, nachdem die erwähnten Arbeiten durchgeführt wurden?
    Wo wurde evtl. gepfuscht oder ein Kollateralschaden erzeugt?


    PS: Vor den Arbeiten an Bremse und Traggelenk war mein Bus ein Vorbild an Fahrkomfort, jetzt schüttelt es mich am Lenkrad regelmäßig besorgniserregend durch.


    Schöne Grüße aus dem leichten Flockenwirbel
    allwoyacks

  • Hi!


    Wenn das Führungsgelenk (beim T4 also das untere, nicht mit der Feder verbundene Achsgelenk) stark ausgeschlagen war, dann verändert sich durch den Austausch auch der Sturz neben der Spur.
    Hoffe mal, es wurde nicht nur die Spur korrigiert, oft stimmt die Einstellung dann aber auch sofort, weil der Verscheliß vorher nie ausgeglichen wurde und noch die Originaleinstellung vorliegt.


    Durch den geänderten Sturz laufen die Reifen anders ab. Ich würde daher mal alle Räder von vorne nach hinten tauschen und sehen, ob es dann besser ist. Die alten Vorderreifen sind evt. entsprechend schräg abgefahren, an der Hinterachse stört das weit weniger. Der Tausch von vorne nach hinten sollte bei Reifen ohne Laufrichtungsbindung über Kreuz erfolgen, damit die Vorzugslastrichtung (vorne beschleunigen, hinten verzögern) beibehalten wird. Bei Reifen mit Laufrichtungsbindung ist das nicht zulässig, die muss man parallel tauschen.


    Sollte das keine Besserung ergeben, wird es kompliziert. Es könnte beim Gelenkwechsel etwas beschädigt worden sein. Da die Gelenke meist sch***fest sitzen, sind vor allem bei der Demontage doch höhere Gewalten am Wirken, oft in Form von 6kg Stahl am Stiel - und die landen nicht immer zwangsläufig genau dort, wo es beabsichtigt war...


    Gruß,
    Tiemo

  • Hallo,


    mal abgesehen davon, dass ich immer beide Seiten hätte machen lassen, waren bei mir einige 1000km später die Reifen stark einseitig abgefahren. Das wurde dann erst auf einem speziellen Prüfstand gegen ordentlich Bares korrigiert. Die erste Frage ist also, wie haben die gemessen?


    Was man so kaputt machen kann, bei der Arbeit über die auch meine Werkstatt geflucht hatte, " dass sei ja ein LKW!", kann ich dir leider nichts sagen.
    Wenn er nicht geradeaus läuft, sollte das der Meister doch leicht selbst erfahren können.


    Viel Erfolg.

  • Danke für die Hinweise.
    Folgendes dazu:
    - stark ausgeschlagen war das Gelenk noch nicht. Im Fahrbetrieb war der typische Schlag in den Kurven noch nicht aufgetreten.
    - Spur und Sturz wurden korrigiert
    Was mich eben besonders stutzig macht, ist die Tatsache, daß das Poltern/Lenkradstottern nicht permanent da ist.
    Das müßte es aber doch sein, wenn der Reifen durch die Vorschädigung eine Macke hat???

  • Kenn ich auch , Spurstangenendstück rechts erneuert , Spur wieder eingestellt und dann hab ich die dicken reifen drauf geschraubt. Bei der Probefahrt wollte er alleine immer links abbiegen . Die Werkstatt hat es auf die Reifen geschoben und mir gesagt das ist bei den kleinen Winterreifen dann wieder normal. Es beruhigte sich nach ein paar tausend KM und im Herbst beim wechseln war das Ergebnis zu sehen,
    Der rechte Reifen hat einen Millimeter weniger als die anderen und die Außenkante des Reifen's ist ganz außen im 45 grad Winkel abgeschliffen.
    @allwoyacks :
    EINEN Bremssattel alleine tauscht man nicht....hoffe wurden auch beide Hi getauscht ? Die Spur muss nicht passen , hast du einen Prüfbericht dabei bekommen ?
    Wenn sie nur an der rechten Seite waren und die Räder getauscht haben , ist schon die Unruhe eingebaut und der Luftdruck passt eh dann nicht .

    Männer werden nicht älter , nur das Spielzeug wird Größer. Natürlich habe ich zugenommen - ich habe mal 3340 Gramm gewogen.

  • Hallo nochmal!


    Die Reifen dürften vor allem für das einseitige Ziehen verantwortlich sein.


    Wenn das ein regelrechtes Stottern ist, dann könnte es von der Servolenkung kommen. Schau mal, ob genug Fluid drin ist und bewege mal bei laufendem Motor den Lenker mehrfach von ganz links nach ganz rechts und zurück, dadurch entlüftet sich die Anlage. Ist vielleicht der Pumpenantriebsriemen mit Rostlöser verölt worden und rutscht durch? Eine Hydraulikleitung undicht?


    Poltern kommt normal ja von losen Teilen, die wird es hoffentlich nicht geben nach der Reparatur. Wenn aber keine andere Ursache auszumachen ist, muss danach gesucht werden. Nicht, dass während der Fahrt noch was Schlimmes passiert, weil der Wagen plötzlich unlenkbar wird. Vielleicht war das obere Achsgelenk auch "fertig" und es hat nur keiner gemerkt, und nach der Gewaltaktion klemmt es nun?
    An defekten Teilen könnte es geben: Oberes Achsgelenk (Traggelenk), Spurstange (hätte beim Vermessen aber ebenfalls auffallen müssen), Lenkgetriebe, Antriebswelle. Vielleicht ist bei der Aktion auch irgendein Gummi zerbröselt. Es könnte sinnvoll sein, mal auf einen Teststand mit Schiebeplatte zu fahren und die Aufhängung zu prüfen.


    Gruß,
    Tiemo

  • Hi,
    Bremssättel kann man ruhig einzeln tauschen,gehen ja auch einzeln kaputt.
    Beim Traggelenkwechsel wird die http://www.t4-wiki.de/wiki/Drehstabfeder entlastet,wenn die verstellt wird,zieht er zur Seite.
    Und als letztes das wichtigste:die fette Schraube in der Radnabe,die gehört normal immer neu,wenn die locker ist geht das Radlager kaputt,das kann auch poltern/wackeln.
    Gerne lösen sich auch die Radschrauben,falls noch nicht nachgezogen.
    Defekte Stoßdämpfer,an denen wurde auch geschraubt, poltern auch.
    Murks

  • alla dann - Fridi 1.9D(1X) 12/91 LR, LKW (03/1994 bis 07/2010) von 20 500 bis 610 000 2.5D(ACV-ABT)05/00 LR, PKW, Syncro (seit 10/2009) von 238 000 bis jetzt 466 Verbrauch zur Zeit: 7,4 l / 100 km :-)

  • @ Murks :
    Wer macht denn noch Reparaturen wie vor 50 Jahren ? Ein 15 Jahre alter Bremssattel .....verschlissen , verrostet schwergängig und soll gegen einen Fluppi neuen gegenhalten :thumbdown:
    Du solltest hier nicht solche angaben machen , weil es nicht zulässig ist und auch nicht möglich ist eine gleichmäßige Bremswirkung zu erreichen.
    Wenn du so denkst , kannst du auch die alte FETTE RADSCHRAUBE mit Loctite einsetzen ......die geht nicht mehr los von alleine. Also nicht Böse sein , aber am falschen Ende sparen ist sehr gefährlich , das kann jeder selber machen aber nicht anderen raten die vielleicht mit der Familie unterwegs ist . ;)

    Männer werden nicht älter , nur das Spielzeug wird Größer. Natürlich habe ich zugenommen - ich habe mal 3340 Gramm gewogen.

  • Hallo,


    ich würde auch beide Bremssättel tauschen, bzw. keinen, weil man die so gut wie immer aufarbeiten kann.
    Wird nur einer durch ein Neuteil ersetzt, so muss der andere zumindest neu abgedichtet werden, um wieder neuwertige Wirkung zu erzielen wie der ausgetauschte.
    In der Werkstatt ist das Aufarbeiten eines verrosteten Bremssattels mit Oberflächenbehandlung sehr wahrscheinlich teurer als ein neuer bzw. Erneuerter (gibt es oft im Austausch, zB. von Bosch).


    Allerdings bei den Scheiben und Belägen hört der Spaß endgültig auf, die müssen tatsächlich paarweise ersetzt werden, sonst hat man immer wieder Huddel mit der gleichmäßigen Bremswirkung, zumindest bei der Betriebsbremse. Ein seriöser Betrieb wird einen auch auf dieses zu erwartende Ärgernis hinweisen.


    Gruß,
    Tiemo


  • Warum soll ich den anderen neu abdichten, wenn der andere erneuert wird?
    Bremssättel rosten auch nicht.


    Gruß Winni

    Man darf ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln, ein Auto braucht Liebe. (Walter Röhrl)

  • Hallo Winni,


    naja, was die Bremssättel schwergängig macht, ist ja der an Kolben und Führungsstangen klebende Abrieb/Rost/Schmodder. Der wird bei einem noch funktionierenden Gebrauchtteil auch schon vorhanden sein. Um den zu entfernen, muss man den Kolben demontieren. Danach sind die Dichtungen im Allgemeinen hin. Also neu abdichten. Dann sind die Reibungsverhältnisse an beiden Sätteln gleich und es ist keine einseitige Bremswirkung zu erwarten.


    Meine Bremssättel rosten, bzw., sie versuchen es ;-). Wo Steinschläge drankamen, gelingt es ihnen teilweise auch. Aber Kolben sind einwandfrei, also gibt es keine neuen Bremssättel, ich entroste die alten und arbeite sie wieder auf. Sehe garnicht ein, da teuren Schrott zu produzieren, wo die alten Bremssättel nach Aufarbeitung besser als neuwertig sind (besserer Korrosionsschutz).
    Das ist natürlich was anderes, wenn ich eine Werkstatt bemühe. Für vertretbares Geld stellt sich da niemand stundenlang hin und doktort an den alten Sätteln rum, da sind neue oder überholte, und dann bitte beidseits, einfach wirtschaftlicher. Aber das erwähnte ich ja bereits...


    Gruß,
    Tiemo

  • Guten morgen zusammen,


    erst mal vielen Dank für die vielen Anregungen im Bereich der Vorderradaufhängung. Dem Hinweis mit der Servolenkung (danke tiemo) werde ich am WE selber mal nachgehen, bevor der Bus am Montag wieder in die Werkstatt kommt.


    Zur entstandene Diskussion Bremssattel:
    Der getauschte Bremssattel war kein vergammeltes Altteil, sondern recht neu (3 Jahre), genau wie sein Pendant gegenüber. Funktion im normalen Betrieb einwandfrei, aber der Hebel der Handbremse war schwergängig und konnte nicht mehr gangbar gemacht werden.


    Gruß
    allwoyacks

  • @ michael 1960 wie kommst du darauf,daß die Bremswirkung einseitig sein MUSS,wenn nur ein Bremssattel getauscht wird?
    Ich habe schon mehrere Sättel und Radbremszylinder einzeln getauscht ohne negative Auswirkungen auf die Bremswirkung.
    Beläge und Scheiben ist natürlich was Anderes.
    Ich habe auf die Frage von Allwoyacks "was uns noch dazu einfällt "geantwortet und fand es halt im Gegensatz zu Anderen in Ordnung nur einen Sattel zu tauschen.
    Nicht alles was vor 50 Jahren gemacht wurde war schlecht.
    Das mit der Schraube einkleben wird wegen der Fettpackung im Gelenk der Antriebswelle wohl nicht gut funktionieren.
    Murks

  • Hallo Murks,
    Nichts MUSS aber könnte , mein Brief und meine Prüfung vor der Handwerkskammer .....auch wenn es schon lange her ist verbietet mir persönlich jemandem zu raten einseitig was gebrauchtes zu tauschen , mehr ist nicht hinter dem Gedanken . ;) Bei meinem Bus würde ich wenn schon gebraucht beide Seiten reinigen/zerlegen , gängig machen und die Bremsflüssigkeit komplett wechseln.
    Für jemand anderen würde ich auch dieses nie machen .
    Michel

    Männer werden nicht älter , nur das Spielzeug wird Größer. Natürlich habe ich zugenommen - ich habe mal 3340 Gramm gewogen.

  • Problem gelöst - zumindest seltsamerweise und vorerst...
    Die Werkstatt hatte den Wagen 3 Tage zur Nachbesserung und jetzt fährt er sich wieder wie eine Sänfte.
    Was wurde gemacht: neue Reifen...
    Die alten "alten" waren wirklich alt (10 Jahre) und hatten angefangen Blasen zu werfen.
    Ob dies nun zufällig so ziemlich genau nach dem Traggelenkewechsel losging, oder ob der Eingriff ins Fahrwerk diese Reifenschädigung (mit-) verursacht hat?
    Jedenfalls habe ich auf der Abnahmefahrt mit kriminalistischer Akribie auf jedes mögliche Ruckeln am Lenkrad geachtet, zig mal den Geradeauslauf und die Lenkradrückstellung getestet - nichts zu bemängeln...
    Keine Garantie, daß nicht doch irgendwo noch der Wurm drin sein kann, aber jetzt steht erst mal eine ausgiebige Probefahrt über's WE in die Berge an und erst wenn danach immer noch alles rund läuft, wird die Rechnung bezahlt :-)


    SG und Danke an alle für die Anregungen und Hinweise
    allwoyacks

  • das scheint mir logisch. Gestern hab ichs mal wieder jemandem geantwortet.


    ich hatte mal plötzlich starkes vibrieren im Lenkrad ab 80 km/h (glaub ich) . Die Ursache war so eine Blase in der decke eines Hinterrades.
    Seit dem nie wieder runderneuerte Reifen auf dem T4 :-)
    Die waren erst ein paar Monate alt und es war der zweite mit diesen Erscheinungen.
    Beim runtermachen dann (garantie) teigte sich, dass noch einer betroffen war.


    Seit dem fahre ich nur noch die 102/104 in der Größe 195/70 R.
    Die halten bei mir ewig

    alla dann - Fridi 1.9D(1X) 12/91 LR, LKW (03/1994 bis 07/2010) von 20 500 bis 610 000 2.5D(ACV-ABT)05/00 LR, PKW, Syncro (seit 10/2009) von 238 000 bis jetzt 466 Verbrauch zur Zeit: 7,4 l / 100 km :-)

  • Hallo!


    Ob dies nun zufällig so ziemlich genau nach dem Traggelenkewechsel losging, oder ob der Eingriff ins Fahrwerk diese Reifenschädigung (mit-) verursacht hat?


    Das ist wahrscheinlich kein Zufall. Durch den Eingriff in die Fahrwerksgeometrie tragen die Reifen an anderen Stellen. Daher mein Tipp, die Räder zu vertauschen. Nützt natürlich wenig, wenn alle 4 betroffen sind...


    Na, dann mal gute Fahrt!
    Tiemo

  • Das man sich in diesem Forum von Fachleuten überhaupt traut von den 10 Jahre alten Reifen zu schreiben... Hut ab. :rolleyes:
    Persönlich hätte ich Angst gehabt mit Mitfahrern und beladen in Urlaub zu fahren. Möglicherweise würde sogar die Versicherung Ärger machen, wenn es zu einem Unfallgutachten käme...


    Schön, dass das Problem so gelöst wurde.


    Ich habe übrigens auch nur die besten Erfahrungen mit den 195er C-Reifen. (Nur einmal in San Sebastian, da hatte ich einen 5cm langen Fischknochen im Reifen. Keine Ahnung wie der eine so feste Karkasse durchschlagen konnte. Die Reifenhändler in Moliets hatten mir später das Teil gezeigt, sonst hätte ich es nicht geglaubt... )