Bremspedal lässt sich im Stand komplett durchtreten

  • Warum glaubt eigentlich keiner, was die Werkstatt sagt?


    Beim Tritt aufs Pedal wird über den Bremskraftverstärker der Vakuumvorrat angezapft, um den Bremsdruck zu erzeugen. Steht der Motor ist irgendwann Schluss und das Pedal wird hart. Vakuumventil zu, Notbremssystem funktioniert. Läuft der Motor versucht die Vakuumpumpe den Verlust auszugleichen, schafft es aber im Standgas nur mühsam, wenn überhaupt. (Bei dem ganzen Gedöns, was noch durch Vakuum angetrieben wird und undicht sein kann kein Wunder). Da jetzt aber das Vakuum nicht ausreicht den gewünschten Bremsdruck zu erreichen, muss der Pedaldruck erhöht werden. Das Ganze solange bis das Pedal unten ist. Klassische Benziner sind da nicht so anfällig, da die das Vakuum per Ansaugbrücke (und dann in größeren Mengen) erzeugen (inzwischen haben die aber auch durchaus mal eine Vakuumpumpe).


    Im Alltagsbetrieb völlig unerheblich, es sei denn man steht an der roten Ampel am Berg mit beiden Füßen auf der Bremse. Mit nur einem Fuß passiert da gar nix. Um das Fahrzeug am Wegrollen zu hindern werden nur recht geringe Bremsdrücke gebraucht. Und die schafft die Vakuumpumpe bei einem gesunden System auch im Stand.

  • Hi,

    gab's da nicht mal was mit einem Problem bei 'Überfüllung' des Bremsflüssigkeitsbehälters?
    Weiss aber nicht, ob es sich so geäußert hat (Bei genauem Nachdenken denke ich eher an ein Löseproblem der Bremse).
    Evtl. wurde es beim Wechsel 'zu gut' mit der Bremsflüssigkeit gemeint.


    Tomy

  • Der tatsächliche Druckpunkt am Pedal wird nicht durch den Bremskraftverstärker bestimmt, sondern durch die Flüssigkeit im System.Der PKV hilft nur der Fußkraft auf dem Pedal.

    Wenn die Beläge an den Scheiben/Trommeln angepreßt sind ist Schluß mit weitertreten. Geht es dann doch langsam weiter zu treten ist irgendwo ein Leck, das Zeug muß ja irgendwo hin.

    Wenn nirgends etwas nach draußen kommt ist das Leck im System. In diesem Fall hier bin ich ziemlich sicher, das die Flüssigkeit an den Dichtungen im Zylinder vorbeisabbert und so im System bleibt.

  • So und nicht anders ist es...


    Das Einzige, das sonst noch Flüssigkeitsvolumen aus dem Bremssystem entnehmen kann, ist das ABS. Das tut es im Stand aber nicht. Und während der Fahrt pumpt es das Volumen wieder zurück, sobald die Radblockade aufgehoben ist.

    Durch den Druck aufs Pedal wird die Nachlauföffnung zum Vorratsgefäß verschlossen und es liegt ein abgeschlossenes, hydraulisches System mit konstantem Pedaldruck vor. Ohne Leckage wird sich daher nichts bewegen, weil das abgeschlossene Volumen nirgends hin kann.

    Bei defektem Hauptbremszylinder dagegen strömt es an der Kolbendichtung vorbei, zurück ins Vorratsgefäß und das Pedal sackt mit konstanter Geschwindigkeit durch.

    Dass dies bei geringerem Fußdruck schneller geschieht als bei hohem Fußdruck, ist ebenfalls erklärlich, denn die Dichtung ist so gestaltet, dass die Dichtlippe vom Flüssigkeitsdruck gegen die Zylinderwandung bzw. gegen die Kolbenstange gedrückt wird, also dann bei geringfügigen Unebenheiten mit mehr Druck besser anliegt und dichtet. Eine verhärtete, geschrumpfte Dichtung liegt ohne Druck evt. garnicht mehr rein elastisch an.


    Gruß,

    Tiemo

  • Wie erwähnt habe ich einen Mercedes, bei dem sogar das Bremspedal bei leichtem Druck durchgefallen ist. Ist mehrmals passiert. Ein Austausch der Bremsflüssigkeit im Hauptbremszylinder brachte dann seit 8 Jahren Abhilfe. D.h. es ist dann nie wieder aufgetreten. Muss also nicht immer nur die Dichtung platt sein.